Department of Historic Building Conservation and Research

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Rekonstruktion von Stadt und Stadtbild II - Denkmalpflege oder Stadtbildpflege?

Im Rahmen des DFG-geförderten Projektes "Die Translozierung als Mittel der Stadtgestaltung" veranstaltet das LFG Denkmalpflege und Historische Bauforschung am 12. Oktober 2018 den 2. Workshop.

Im Mai 2017 fand der erste intensive Austausch mit einer bemerkenswerten Vielfalt von Beispielen für städtebauliche Rekonstruktionen im 20. Jahrhundert statt. Mit dem 2. Teil begeben wir uns weiter auf die Spurensuche nach den Grundlagen der uns heute so vertrauten Stadtbilder. Neben dem Blick auf die Anfänge wollen wir weitere Städte in den Blick nehmen, aber auch praktische Aspekte moderner Versetzungen hören und eine kritische Einordnung vornehmen.



Programm:


Christian Raabe - Das Wespienhaus

Jan Richarz - Translozierung im Städtebau - Die Anfänge

Bernd Jäger - Die Translozierung von Gebäuden – Ein Spagat zwischen Wissenschaft, Technik und Logistik

Claudine Houbart - Conservation versus urban scenography: displaced façades around the 1960’s in Liège and Brussels

Olaf Gisbertz - „Die stillgehaltene Zeit“ – Braunschweig: Altstadt als Bild

Benedikt Goebel - Produkt Kahlstadt. Berliner Stadtbildverachtung zwischen 1819 und 2019

Alexander Stumm - Rekonstruktion, Nachbau, Translozierung. Begriffsverortungen anhand ausgewählter Beispiele


Die Teilnahme ist kostenfrei. Um Anmeldung wird gebeten.


Tagungsort:

R. 2.15, Rokokotür, Reiff-Museum 2.OG

Schinkelstraße 1, 52062 Aachen


12. Oktober 2018, 9:00 - 16:30 Uhr

Die Kuppel im Basar Chahar Suq in Teheran

Projektleitung: Prof. Dr. Martina Abri / Prof. Dr. Christian Raabe / Dr. Telli Golkar
Vermessung: Dipl.-Ing. Marc Wietheger (baumass)
Restauratorische Untersuchungen: Dipl.-Rest. Marek Buch / Dipl.-Rest. Andreas Schudrowitz

Gegenstand des Projekts war die Restaurierung einer Kuppel an einem der wichtigsten Kreuzungspunkte im Zentrum des Bazars von Teheran. Sie misst etwa zwölf Meter im Durchmesser und wird über eine Laterne im Kuppelscheitel belichtet. Ihren unteren Abschluss bilden acht Spitzbögen. Vier Einkaufsstraßen treffen hier zusammen, zwischen denen sich jeweils eine Nische mit einem Laden befindet. Die Stuckaturen im unteren Kuppelsegment zeigen Akanthusblätter, Blüten und Palmetten. Ziel des Projektes waren die Sicherung, Festigung und behutsame Teilrestaurierung der inneren Kuppeloberflächen und des zugehörigen plastischen Ornamentbesatzes. Das Projektteam bestand auf deutscher Seite aus der Expertengruppe der RWTH Aachen, der FH Potsdam und Berliner Diplomrestauratoren sowie auf iranischer Seite aus Vertretern und Vertreterinnen der iranischen Denkmalschutzbehörde ICHHTO, Iran’s Research Institute for Cultural Heritage and Tourism (RICHT).

Am Anfang stand zunächst die Dokumentation, eine Schadensanalyse und die Entwicklung einer denkmalpflegerischen Zielstellung für die Restaurierung der Kuppel. Das Konzept wurde gemeinsam mit der iranischen Seite im Rahmen mehrerer Workshops erarbeitet und entsprechend abgestimmt. Die weiteren notwendigen administrativen Aktivitäten sowie die Kommunikation mit der wichtigen Nutzergruppe des Basars, den lokalen Händlern, den sogenannten Bazaries, lagen wesentlich in der Hand der iranischen Partner. Sie übernahmen auch die Beauftragung und Finanzierung der umfangreichen und komplizierten Gerüstarbeiten. Anhand bauforscherischer Untersuchungen konnten die zahlreichen farblichen und gestalterischen Veränderungen seit der Entstehung des Bauwerkes um 1850 dokumentiert werden. Hinzu kam die Analyse der Konstruktion, der verwendeten Materialen sowie der historischen Stuckaturtechniken. Bei der Vermessung, für die nur zwei Tage zur Verfügung standen, bewährte sich eine Kombination der bildbasierten Messmethode SfM (Structure from motion), die ein besonders leistungsfähiges Mikroskop verwendet, mit einem 3-D-Laserscan.

Da die genannten Analysen ganz unterschiedliche Zerstörungsgrade und historische Farbfassungen vor allem in den Bereichen der üppigen Stuckaturen nachweisen konnten, entschlossen wir uns, repräsentativ drei Restaurierungsansätze nebeneinanderzustellen: Erstens konserviert eine monochrome Fassung über ein Viertel des gesamten Kuppeldurchmessers die noch vorhandenen, weitgehend unzerstörten und nur geringfügig veränderten ältesten Stuckaturen. Zu diesem Teil gehört auch die Sicherung und Festigung der leider nur noch in wenigen Bereichen vorhandenen ornamentalen Bemalung der glatten Kuppelfläche. Der Rest der Stuckaturbereiche war über die vergangenen Jahrzehnte mehrmals grob übermalt und auch plastisch nur nachlässig ergänzt worden. Hier wurde zweitens die jüngste sichtbare polychrome Fassung restauriert. Ein Achtel der Kuppel in diesem Bereich, der besonders viele Zerstörungen aufwies, nutzten wir für die Rekonstruktion und Demonstration der ursprünglichen Farbigkeit des gesamten Stuckornaments und damit für eine dritte Fassung, die wir nach den Befunden eindeutig belegen konnten. Alle im Zuge der Wiederherstellung verwendeten Stoffe orientieren sich eng an den originalen historischen Materialien.

Für dieses Restaurierungsprojekt arbeiteten sechs deutsche und zwei iranische Restauratoren, unterstützt von zwei iranischen Praktikanten, im Herbst 2017 knapp fünf Wochen vor Ort. Durch dieses Kulturerhalt-Vorhaben wurden Austausch und Wissenstransfer zwischen iranischen und deutschen Experten in den Bereichen Bauforschung, Denkmalpflege, Bauerhaltung und Restaurierung für weitere Kooperationen vertieft und gefördert.

  • Mehr Informationen auf der Seite des Auswärtigen Amtes