Granusturm-vertikalschnitt

The historic town hall of Aachen
since 2006

Von der einstigen Pfalzanlage Karls des Großen in Aachen aus dem ausgehenden 8. Jahrhundert zeugen bis zum heutigen Tage das historische Rathaus in Einheit mit dem angrenzenden Granusturm im Norden und der Aachener Dom auf der gegenüberliegenden Südseite des Katschhofes. Zu den archäologischen nachgewiesenen Überresten der karolingischen Anlage bewahren diese beiden Bauwerke trotz zahlreicher Überformungen und Zerstörungen bedeutende Zeugnisse der kaiserlichen Pfalz sowie karolingische und mittelalterliche Originalsubstanz in ihren Fundamenten und aufgehenden Mauerwerk.

Während Forschung und Wissenschaft der Marienkirche, dem heutigen Dom, zahlreiche Erkenntnisse zur Baugeschichte abringen konnten, existierte hinsichtlich der Königshalle, auf deren Grundmauern im 14. Jahrhundert das gotische Rathaus errichtet wurde, weder eine umfassende Dokumentation noch eine systematische Bauforschung. So wurde im Frühjahr 2007 mit einer ersten intensiven Baudokumentation und -forschung im Granusturm, dem ehemaligen "turris regalis" der karolingischen Pfalzanlage, begonnen. Im Rahmen des Seminars "Bauforschung als Grundlage denkmalpflegerischer Maßnahmen" unter der Leitung der wissenschaftlichen Mitarbeiter Judith Ley und Marc Wietheger, wurde seitdem in mehreren jeweils einwöchigen Dokumentationskampagnen vor Ort zusammen mit Studierenden der Architektur das Bauwerk systematisch vermessen, zeichnerisch sowie fotografisch dokumentiert und wissenschaftlich beschrieben.

Über die praktische Vermittlung unterschiedlichster Untersuchungsmethoden und -techniken im Umgang mit historischer Bausubstanz im Rahmen der studentischen Lehrveranstaltung am Lehrgebiet Denkmalpflege hinaus, soll die Erstellung exakter, architektonischer Bestandszeichnungen und Bauzustandsanalysen auch den Erfordernissen der Sicherung des Bestandes sowie anstehender Instandsetzungsmaßnahmen Rechnung tragen.

Primäres Ziel der Arbeit, die von Anfang an durch das Amt für Denkmalpflege der Stadt Aachen unterstützt wurde, soll es dennoch sein, unter Auswertung der Befunde vor Ort sowie weiterer historischer Quellen die verschiedenen Bauphasen und damit die ursprüngliche bauliche Gestalt und Bestimmung des Bauwerkes definieren zu können.
Mittels tachymetrisch-CAD-gestützter Online-Vermessung, photogrammetrischer Aufnahmen steinsichtiger Oberflächen, 3D-Laserscanning und händischem Aufmaß von Detailbereichen wurden verformungsgerechte Bestandszeichnungen erstellt. Innerhalb eines einheitlichen Messbezugssystems (3D-Polygonzug) wurden auf diese Weise sämtliche Haupt- und Zwischengeschosse in detaillierten Grundrissen sowie insgesamt sechs Vertikalschnitten erfasst. Auf dieser Grundlage wurden Baufugen, verwendete Materialien, Schadensbilder und Besonderheiten der Baumaterialsbearbeitung exakt kartiert, um anschließend das komplexe innere Raumgefüge analysieren zu können. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Untersuchung der Geschossigkeit des Turmes, der Ausrichtung, Zugänglichkeit und Belichtung seiner Räume und Treppenaufgänge sowie der Ein- und Anbindung an die ehemalige Königshalle und damit an die Anlage der gesamten Pfalz.

Kurzfristig soll die bereits fortgeschrittene Arbeit am Granusturm auf das historische Rathaus ausgeweitet werden: das von Außen betrachtet eher zwanglose Nebeneinander beider Gebäudeteile, stellt sich bei intensiverer Betrachtung ihrer zahlreichen baulichen Schnittstellen im Inneren als komplexes, sich bedingendes räumliches Gefüge dar, aus dessen Analyse sich Rückschlüsse auf die ursprüngliche architektonische Konzeption erwarten lassen.

Die Zwischenergebnisse und Zielsetzungen der noch laufenden Bauforschung werden in verschiedenen Gremien mit Fachkollegen und Projektbeteiligten diskutiert und fließen zudem auch in die Arbeit des jüngst gegründeten Arbeitskreises Pfalzenforschung in Aachen ein.

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