Planen und Bauen im Bestand – Denkmalpflege

Das Thema "Planen und Bauen im Bestand" wird in einer Gesellschaft, die sich ihrer begrenzten Ressourcen bewusst ist, zu einer immer wichtigeren Forderung. Die Notwendigkeit einer vertiefenden Ausbildung auf diesem Gebiet beruht auf dem Wissen, dass künftige Berufsschancen des Architekten weit mehr als bisher im Umgang mit vorhandenen Bauten und ihrer Neu-, Wieder- und Andersverwertung liegen werden. Nachhaltige Stadtentwicklung und nachhaltiger Städtebau verlangen andere Antworten auf gestellte Bauaufgaben als den Neubau.

Historische Bauten gehören mit zu den begrenzten gesellschaftlichen Ressourcen. Baudenkmale bilden in diesem Bereich nur einen verschwindend geringen Prozentsatz (etwa 3%), doch tragen sie entscheidend dazu bei, eine Verbindung zur Vergangenheit herzustellen und Geschichte sinnlich und unmittelbar erlebbar zu machen. Im Gegensatz zu den immer umfangreicher werdenden virtuellen Erfahrungen setzen sie diesen den Wert des Originals, des Authentischen, des erkennbar Gealterten gegenüber.

Für denkmalpflegerische Maßnahmen gibt es keine Rezepte, sondern nur theoretische Grundlagen, die zumeist mehrere Lösungsmöglichkeiten zulassen. Jedes Bauwerk hat seine individuelle Geschichte und jede Bauaufgabe stellt den Architekten vor ganz spezielle Probleme. Diese sind nicht mehr allein zu bewältigen, sondern nur in Gemeinschaft mit Fachkollegen: Denkmalpflegern, Bauforschern, Restauratoren, Naturwissenschaftlern, Ingenieuren und natürlich fachkundigen Handwerkern, die die Instandsetzung und Neugestaltung umsetzen. Dem Architekten bleiben als Aufgabengebiete die gestalterische, organisatorische und wirtschaftliche Abwicklung des Bauvorhabens. Um diese Aufgaben qualitätvoll durchführen zu können, sind über das Standardwissen hinaus besondere Kenntnisse und Fähigkeiten erforderlich:

  • Historisches Wissen und baugeschichtliche Kenntnisse,
  • Methoden der Bauanalyse und Baudokumentation,
  • Bewertungskriterien für historische Konstruktionen und Baumaterialien,
  • Methoden der Reparatur und baulichen Ertüchtigung, konstruktives und technisches Wissen

und selbstverständlich Liebe zu den alten Bauten, Ehrfurcht vor dem Gealterten und Kritikfähigkeit dem eigenen Schaffen gegenüber.